Klimaschutz – wir leisten unseren Beitrag!

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Die Themen Natur- und Umweltschutz sind schon seit Jahren fester Bestandteil in unserer täglichen Arbeit. In den vergangenen Jahren ist auch der Klimaschutz immer mehr in den Fokus gerückt. Im Interview stellt Christoph Fischer die unterschiedlichen Projekte vor, durch die EM Chiemgau einen aktiven Beitrag leistet.

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Warum ist Dir das Thema Klimaschutz so wichtig?

Die aktuelle Zeit ist von Corona bestimmt. Doch selbst wenn die Wirtschaft Schaden nimmt, denke ich, dass wir das im Nachhinein reparieren können. Aber wenn sich unser Klima weiterhin so rasant verändert, haben wir ein weitaus größeres Problem. Ich meine, jede Firma steht in der Verantwortung alles nur Erdenkliche zu tun, um an dieser Situation etwas zu ändern. Das Mindeste ist, die jeweiligen Möglichkeiten der CO2-Reduktion zu nutzen und das trotzdem noch ausgestoßene CO2 auszugleichen. Wir wollen übrigens noch ein bisschen mehr tun.

Garten-Außen-Ansicht_EM-Chiemgau

Jeder hat die Möglichkeit seinen CO2-Fußabdruck zu messen. EM-Chiemgau hat das in diesem Jahr ebenfalls getan – wie funktioniert das?

Den CO2-Fußabdruck einer Firma zu berechnen ist natürlich weitaus komplexer als bei Privatpersonen. Man braucht extrem viel Datenmaterial, das man normalerweise gar nicht erhebt. Heizung, Fuhrpark und Strom sind die Klassiker, doch bei der Berechnung wird es genauer. Jedes Detail wie die Verpackung, der Transport, die Rohstoffe für die Produktion bis hin zur Anfahrt der Mitarbeiter wird berechnet. Danach heißt es schauen, wo man reduzieren kann. Und dann den Rest über Klimaschutzprojekte kompensieren.

Was ist bei der Berechnung rausgekommen?

Zur Berechnung werden die Emissionen in drei Bereiche aufgeteilt – Scope 1, 2 und 3 genannt. Zum ersten Bereich werden Wärme, Kältemittel und Fuhrpark gerechnet. Hier haben wir 33 Tonnen emittiert. Im zweiten Bereich kommen wir mit Strom, Fernwärme und -kälte auf 14 Tonnen. Der dritte Bereich deckt dann Produktion, Verbrauchsmaterial, Logistik, Druckerzeugnisse, die Anfahrt der Mitarbeiter zur Arbeit und einiges weitere ab. Hier liegen wir bei gut 900 Tonnen. Insgesamt haben wir also einen Fußabdruck von knapp 1.000 Tonnen CO2 im Jahr 2019 gehabt.

Was muss ein Unternehmen tun, um sich „CO2-neutral“ nennen zu dürfen?

Dazu müssen alle Emissionen kompensiert werden, die durch das Unternehmen in den Bereichen Energieverbrauch (Strom, Wärme, Geschäftsreisen usw.) und Organisation (Büro, Druckerzeugnisse usw.) entstehen. Das sind bei uns 13 % aller Emissionen. Nicht kompensieren muss man jedoch die Emissionen, die durch die Verwendung von Rohstoffen für die Produktion, Verpackungsmaterial sowie die Eingangs- und Ausgangslogistik entstehen. Die Argumentation dahinter ist die, dass diese Emissionen ja eher anderen Unternehmen zuzuordnen sind, die z.B. die Zutaten für unsere Produkte oder die Kartons zum Verpacken herstellen bzw. die Produkte transportieren. Die Emissionen müssten also dort ausgeglichen werden. Die Realität ist aber im Normalfall nicht so. Und das führt dazu, dass wir für die Auslobung als „CO2-neutrales Unternehmen“ nur 13 % der Emissionen ausgleichen mussten, 87 % aber nicht. Und das ist bei allen anderen Unternehmen, insbesondere im produzierenden Gewerbe, sehr ähnlich. Das ist meines Erachtens zu wenig. Denn wenn wir diese Thematik ehrlich betrachten, müssen wir die durch uns verursachten Emissionen komplett kompensieren. Daher kompensieren nicht nur die Emissionen, um uns CO2-neutrales Unternehmen nenne zu dürfen, sondern auch die Emissionen für die Verpackung sowie die Eingangs- und Ausgangslogistik. Und das machen wir überwiegend hier vor Ort durch Humusaufbau bei Landwirten.

Kannst Du Beispiele für solche Projekte nennen?

Ja gerne. Wir wissen beispielsweise wie viel Plastik wir als Verpackungsmaterial einsetzen. Den meisten Kunststoff benötigen wir Kanister. Daher haben wir diese auf ein Bag-in-Box System umgestellt. Das heißt, dass in einem Karton eine viel dünnere Kunststofffolie eingesetzt werden kann. So sparen wir circa 80 % Kunststoff bei gleicher Gebindegröße ein und tun das, obwohl uns das im Einkauf mehr kostet. Ähnliches gilt für den Stromverbrauch. Hier haben wir die alten Leuchtmittel durch LEDs ersetzt und sparen in diesem Bereich rund 75 % Strom. Außerdem haben wir uns Gedanken darüber gemacht, die Nutzungsdauer von bereits erzeugten Produkten zu verlängern. Wir bekommen zum Beispiel von unseren Lieferanten sehr viel Kartonagen. Normalerweise geht dieser Karton dann ins Recycling. Wir haben in eine Maschine investiert und bereiten diesen Karton durch Zerkleinern wieder auf, damit wir ihn als Füllmaterial für unseren Versand. Dadurch wird die Nutzungsdauer um 100 % erhöht. Weiter lassen wir einmal erzeugte Wärme nicht verpuffen, sondern nutzen diese durch Wärmerückgewinnung mehrfach. Die Wärme, die wir über die Klimaanlage aus den Räumen ziehen, verwenden wir für die Produktion. Selbst die Wärme, die schon einmal zur Fermentation genutzt wurde, holen wir teilweise wieder zurück und geben sie in einen Pufferspeicher. So nutzen wir die Wärme für mehrere Produktionsschritte. Bei genauer Betrachtung der eigenen Abläufe lassen sich so immer wieder Bereiche finden, um CO2 einzusparen. Rund 50 % unserer Emissionen bewerten wir intern mit einem CO2-Preis. Diese Summe stellen wir jedes Jahr bereit, um Einspar-Projekte umzusetzen, auch wenn sich diese aus betriebswirtschaftlicher Sicht nicht direkt rechnen. Doch für den Klimaschutz sind diese Projekte wichtig, um langfristig die Emissionen tatsächlich zu reduzieren. Und diese Projekte wichtig, um langfristig die Emissionen zu reduzieren.

Produktion-Schredder_EM-Chiemgau
Füllmaterial für den Versand wird aus alten Kartonagen hergestellt

Jetzt hast Du einige Beispiele aus Unternehmenssicht erklärt. Gibt es auch Beispiele, bei denen die Kunden mitbekommt, dass Ihr was geändert habt?

Ja, wir haben zum Beispiel unsere 1 Liter-Flaschen auf 100 % Recyclingmaterial umgestellt. Das war ein langer Kampf der sich am Ende gelohnt hat. Denn nicht die technische Umsetzbarkeit war das Problem, sondern die Abnahmemenge beim Hersteller. Doch am Ende sind wir uns mit ihm einig geworden und nun bestehen alle 1-Liter Flaschen bestehen aus recyceltem Kunststoff. Ausgenommen ist der Lebensmittelbereich. Außerdem haben unsere Kunden die Möglichkeit ihre leeren Flaschen und Kanister mitzubringen und unser Nachfüllsystem z.B. für EM-blond, EM-Mikrorein oder EM-aktiv zu nutzen. Das Nachfüllen kann man über Jahre machen und man braucht kein neues Plastik dafür verwenden.

Einige Produkte werden auch CO2 neutral hergestellt – wie funktioniert das?

Das ist tatsächlich richtig aufwändig, da dafür der CO2-Fußabdruck jedes einzelnen Produkts sehr detailliert angeschaut wird. Hier werden auch die Produktionsprozesse, die Zutaten, die Verpackung und auch Eingangs- und Ausgangslogistik genau berücksichtigt.  Das haben wir für unsere Hauptprodukte, z.B. das EM Mikrorein, das EM blond und das EM Spüli gemacht, so dass wir diese komplett CO2-neutral anbieten können.

Linda-abfüllen-Blond_EM-Chiemgau
Nachfüllsystem für unsere Kunden

Muss ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich online bestelle?

Nein, bei uns nicht. Die Emissionen, die beim Versand entstehen, werden ja von uns kompensiert, genauso wie auch die für die Verpackung. Man kann sich also alles klimaneutral nach Hause schicken lassen.

Durch die Kompensation werden verschiedene Projekte zum Klimaschutz unterstützt – was habt ihr Euch da ausgesucht?

Es gibt verschiedene Optionen zu kompensieren. Die Projekte werden meistens in der südlichen Hemisphäre umgesetzt. Hier beteiligen wir uns an einem Waldprojekt und einem mit speziellen Kochöfen, die den Holzverbrauch senken und so die Abholzung verringert wird. Aber den weitaus größten Anteil unserer Emissionen haben regional kompensiert, über das Unternehmen „positerra“. Dort unterstützen wir Landwirte beim Humusaufbau, durch den CO2 im Boden gespeichert wird.

Positerra wurde im Dezember 2019 gegründet. EM-Chiemgau ist einer der sieben Gründungsgesellschafter. Was genau ist positerra und warum bist Du dabei?

Schon sehr lange beraten wir Landwirte zum Humusaufbau und zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit. Es ist unbedingt notwendig die Böden fit für den Klimawandel zu machen, zum Beispiel im Hinblick auf die Dürretoleranz. Doch Humus kann noch mehr! Er speichert CO2! Um das ins Bewusstsein zu rücken, haben wir „positerra“ gegründet. Wir schulen Landwirte und geben Unternehmen die Chance, ihren CO2-Ausstoß regional zu kompensieren. Humus ist unsere Lebensgrundlage. Doch in den vergangenen 50 Jahren sind weltweit 50 Prozent von unserer Humusauflage verloren gegangen und gleichzeitig wurde dadurch CO2 freigesetzt. Diesen Prozess wollen wir mit der Unterstützung von Landwirten und Unternehmen umkehren. Prozess wollen wir mit der Unterstützung von Landwirten und Unternehmen umkehren.

Positerra_How-to_EM-Chiemgau

Welche Vorteile bietet positerra für Unternehmen?

Der Vorteil ist, nicht nur auf dem Papier zu agieren und davon auszugehen, dass z.B. in Indien was passiert, sondern vor Ort aktiv zu sein. Wer möchte, kann eine Patenschaft mit einem speziellen Landwirt in seiner Region eingehen und selbst miterleben, wie sich der Boden im Laufe der Jahre verändert. Man die CO2-Bindung sehen, wenn man den Boden anschaut, der einen höheren Humusanteil hat. Und es kann beispielsweise ein Hotel direkt mit seinem landwirtschaftlichen Produzenten zusammenarbeiten. Der Landwirt profitiert von seiner Prämie sowie der regenerativen Bewirtschaftung und das Hotel von hochwertigen Produkten. Für das Unternehmen ist die Kommunikation natürlich wertvoller, sowohl intern bei den Mitarbeitern als auch extern bei den Kunden. Denn es ist einfacher ein nachhaltiges Projekt zu beschreiben, welches vor Ort ist als z.B. irgendwo in Südamerika.

Und warum sollten die Landwirte mitmachen?

Der Landwirt macht in erster Linie mit, weil er seinen Boden fit machen will. Er möchte Humus aufbauen, um die Bodenfruchtbarkeit zu steigern, die Wasserhaltefähigkeit zu verbessern, nachhaltig gute Erträge zu erzielen und mittelfristig von der Chemie weg zu kommen. Um das zu erreichen, muss er optimale Bedingungen für die Pflanzen schaffen und das geht nur über einen gesunden Boden. Humusaufbau ist einer der wichtigsten Faktoren, um die Pflanze vollwertig zu ernähren. Damit kann der Landwirt stabile Erträge erzielen. Mit Hilfe von „positerra“ erhält er daher eine Unterstützung von den Unternehmen für seine gesellschaftliche Leistung. Denn er ist derjenige der sein Wirtschaften umstellt und einige Anstrengungen in Kauf nimmt, um CO2 aus der Atmosphäre im Boden wieder zu puffern.

Kann ich als Kunde auch daran teilhaben? Ist da was geplant?

Ja, wir haben uns schon einige Gedanken dazu gemacht. Der erste Schritt ist die CO2 neutrale Bestellung bei uns. Ein weiterer Schritt soll die direkte Beteiligung unserer Kunden an „positerra“ sein. Geplant ist zum Beispiel eine Art Patenschaft zu übernehmen oder eine Bodenprobe mitzufinanzieren. Dadurch könnten mehr Landwirte animiert werden teilzunehmen und auch Privatpersonen einen Beitrag leisten.

Ganz neu ist die Beteiligung am sogenannten Klimabonus? Wie kann ich hier den Bonus sammeln?

Der Klimabonus ist für mich ein super Beispiel, dass sich immer mehr Menschen zum Thema Klimaschutz Gedanken machen und CO2 neutral agieren möchten, auch im privaten Bereich. Ich kann natürlich jetzt schon bewusst einkaufen, doch bei der großen Auswahl kann die Entscheidung sehr schwerfallen. Beim Klimabonus ist das anders. Hier sehe ich sofort, welches Produkt klimafreundlich produziert wurde. Die Differenz, die eine Produkt weniger an CO2-Emissionen verursacht, wird berechnet und in Form eines Bonus an den Kunden ausgezahlt. Das heißt, hinter dem System stecken wiederum Unternehmen die sagen, ich will das unterstützen und klimafreundliche Produkte herstellen. So wird der klimaneutrale Einkauf gefördert. Bei uns im Laden erhalten die Kunden für unser EM Mikrorein einen Klimabonus in Form eines Chiemgauers (entspricht 1 Euro) ausgezahlt. Diesen können Sie dann wieder zum Einkaufen verwenden und gleichzeitig die regionale Wirtschaft fördern.

Schon seit 2018 ist EM-Chiemgau gemeinwohlbilanziert – was bedeutet das?

Die Gemeinwohlökonomie-Bilanzierung (GWÖ) ist eine zusätzliche Bilanz. Im Gegensatz zu der für das Finanzamt sagt diese allerdings etwas über das gesamte Handeln des Unternehmens aus und nicht nur über Gewinn oder Verlust. Berücksichtigt werden bei der GWÖ-Bilanzierung unterschiedliche Bereiche eines Betriebs. Beispielsweise der Umgang mit den Lieferanten, ob es Kinderarbeit in der Lieferkette gibt oder was für den Umweltschutz getan wird. Die 20 Punkte-Matrix wird ebenso wie die Berechnung für den CO2-Fußabdruck mit Daten unterfüttert und bewertet. Die GWÖ-Bilanzierung und die Berechnung unseres Fußabdrucks ist somit ein Zusammenspiel.

Auch wenn die Bilanzierung sehr zeitaufwändig ist, sind wir es meiner Meinung nach der Gesellschaft gegenüber schuldig. Denn unsere Wirtschaft ist immer mehr wachstumsgetrieben und das über unsere Ressourcen hinaus. Das ständige Wachstum halte ich für den Ursprung unserer inzwischen bedrohlichen Probleme. Daher muss ein Umdenken in der Wirtschaft einsetzen und andere Werte priorisiert werden, die ein ganzheitliches Konzept fokussieren. Auch das kann rentabel sein und Spaß machen, ohne wachstumsgetrieben zu sein.

Team_EM-Chiemgau
Effektives Miteinander bei EM-Chiemgau

Viele Unternehmen wollen klimaneutral werden – EM-Chiemgau will aber noch einen Schritt weiter gehen und sich klimapositiv stellen. Was genau ist damit gemeint?

Das ist eigentlich ganz einfach. Alle Welt spricht davon klimaneutral zu sein. Doch das ist zu wenig, um der Klimaerwärmung entgegen zu wirken. Wir müssen das Rad des Klimawandels wieder zurückdrehen. Wir wollen zukünftig 10 % mehr kompensieren als wir ausstoßen und damit nicht neutral, sondern positiv sein. Wenn das alle machen, haben wir die Chance, dass sich das Klima wieder erholt.

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Klimaschutz – wir leisten unseren Beitrag! ♥︎

Wir müssen mehr tun ist ein gutes Stichwort – wie sieht es den mit der Zukunftsplanung aus?

Die Pläne für die Zukunft sind genau die, die ich schon angedeutet habe. Das ist ein konsequentes Reduzieren des CO2-Ausstoßes und andere dazu zu motivieren mitzumachen. Das Thema Klimaschutz wird in vielen Bereichen noch als unangenehm gesehen, weil es zunächst oft mit Kosten verbunden ist. Aber wenn man nur einen Schritt weiterdenkt, dann sehen wir da drin auch viele Chancen, vor allem die für die Nachhaltigkeit und ein gutes Leben der nächsten Generationen. Unser Weg besteht darin, dass wir zum einen etwas tun und zum anderen unser Handeln transparent darstellen. Wir wollen motivieren und selbst aktiv etwas tun. Ein gutes Beispiel dafür ist „positerra“. Hier haben wir geholfen eine Institution zu schaffen, die den Fokus darauf hat, die Unternehmen zu motivieren und die Landwirte zu unterstützen, so dass sich eine Dynamik entwickelt. Das ist ganz wichtig.

Das ausführliche Interview mit Christoph Fischer gibt es in unserem Podcast zum Nachhören:

Interview mit Christoph Fischer
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