Tipps vom Profi: Balkongärtnern – Urban Gardening

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Ein Interview mit Gärtnermeister Rainer Steidle

„Gärtnern auf dem Balkon, bzw. für alle, die wenig Platz haben“

Eigenes Gemüse anpflanzen, stolz zu ernten und essen ist nicht nur für Gartenbesitzer eine große Freude. Auch auf dem Balkon oder Terrasse kann dies gelingen. Rainer Steidle, Gärtnermeister in der Gärtnerei Attl gibt uns praktische Tipps. Denn damit aus der anfänglichen Begeisterung auch eine segensreiche Ernte wachsen kann, bedarf es einige Punkte zu beachten.

Lieber Rainer, Nicht jeder hat die Gelegenheit einen Garten zu bewirtschaften, welche Möglichkeiten gibt es auch auf Balkon oder Terrasse zu gärtnern?

Ist ausreichend Sonnenlicht vorhanden, benötigen wir Gefäße, eine gute Erde und schon können wir loslegen. Ob im klassischen Balkonkasten, Hängeampel, Holzkasten, Hochbeet oder Bankbeet. In Körben oder Europaletten, Recycling oder Neuanschaffung vieles ist möglich. Balkone und Terrassen bieten oftmals einen geschützten Standort für Pflanzen. Ein Kulturstart im März ist für unempfindliche Pflanzen möglich. Mit wärmeliebenden Pflanzen wie Gurken und Tomaten sollte bis in den Mai gewartet werden.   

Auf was muss man achten, wenn man Obst und Gemüse auf Balkon oder Terrasse anpflanzen möchte? Welche Fehler gilt es zu vermeiden?

Obst und Beeren im Gefäß ist relativ schwierig. Sie stehen über einen langen Zeitraum im Pflanzgefäß ohne Kontakt zum Boden. Eine sehr strukturstabile Erde für Kübelpflanzen ist deshalb ratsam.                  
Im Handel gibt es durchaus geeignete Obst und Beerensorten die eine eigene Ernte ermöglichen. Ein Erdvolumen von mindestens 30 L je Einzelpflanze ist ratsam.

Beim Gemüse und Kräutern sieht es schon viel besser aus. Die Chiemgauer Schwarzerde (mit Schafwolle und einer extra Portion an Mineralien) versorgt die Pflanzen optimal. Ich empfehle ein zusätzliches Nährstoffdepot mit Bokashi bei kürzeren Kulturen wie z.B. Salat, Radi oder Kohlrabi.

Ob eine Mischung aus Gewürze und Gemüse oder eine Reinkultur mit Radi oder Salat – alles ist möglich!

Bei längerer Kulturzeit wie z.B. Tomaten, Paprika, Beeren oder Obst besteht das Nährstoffdepot aus Bokashi und zusätzlich Schafwolle.

Obst und Gemüse ist sehr sonnenhungrig, lediglich an heißen Tagen empfiehlt sich ein Sonnenschirm.

Topfpflanzen richtig düngen mit Schafwolle & Küchenbokashi - Urban Gardening

Wie kombiniert man Schafwolle und Küchenbokashi für Topfpflanzen?
Zuunterst kommt eine gute Schicht Erde (ca. 2/5), dann folgt Küchenbokashi und Schafwolle (insgesamt 1 /5)
darüber wird Erde (2/5) bis zum Topf Rand gefüllt. Damit die Nährstoffe aus Bokashi und Schafwolle auch gelöst werden können, sollte regelmäßig mit EM-aktiv gegossen werden. Die Mikroben sorgen für die Verfügbarkeit der Nährstoffe.

Da der Wurzelraum im Topf sehr begrenzt ist, empfiehlt es sich regelmäßig mit EM-aktiv zu gießen, um das Mikroben Niveau stabil zu halten. Sehr vitalisierend ist auch ein Gießen mit verdünntem Bokashisaft.
(Bokashi-Saft entsteht beim Fermentieren von Küchenbokashi. Mehr zum Thema Bokashi lesen).


Ausreichend Flüssigkeit für Topfgemüse ist entscheidend für ein gesundes Wachstum. Ist der Topf für die gewählte Gemüseart zu klein muss man damit rechnen, dass die Pflanze an heißen Tagen ständig Durst hat.
Gießen Sie am Morgen und evtl. auch am Abend. Wenn die Erde sehr trocken ist und die Blätter schon schlapp hängen, ist es immer nötig zu gießen, auch wenn es gerade 12 Uhr mittags ist.

Was gibt es beim Kauf der Pflanzen und Samen zu beachten?

Bevorzugen Sie, wenn es möglich ist, Saatgut und Jungpflanzen aus biologischer Herkunft.
Regionalität, geringe Transportzeiten, Verkaufsflächen im Freien oder Gewächshaus und eine gute gärtnerische Betreuung bilden die Grundlage für Ihren gewünschten Erfolg.

Wie und wann dünge ich meine Pflanzen?

Für ein kräftiges Wachstum benötigen Pflanzen ausreichend Nährstoffe. Ein gutes Substrat versorgt die Pflanzen für mehrere Wochen. Aus dem zuvor beschriebenen Nährstoffdepot fließen ausreichend Nährstoffe für mehrere Monate. Ohne Depot empfiehlt sich eine flüssige Nachdüngung. Bei Gemüse, Obst und Kräutern empfehle ich Biodünger.

Mit der flüssigen Nachdüngung kann man abwarten. Haben Sie den Eindruck das Ihre Pflanzen  hungrig sind, beginnen sie nach Gebrauchsanweisung nachzudüngen.

Kann ich nach der Ernte die Töpfe einfach stehen lassen und mit der Erde nächstes Jahr wieder verwenden?

Nein, eine Erde ist nach einer Sommersaison ausgelaugt. Eine weitere Verwendung birgt einige Risiken und erfordert eine aufwendige Aufbereitung.
Mit frischer Erde und guter Pflege erhöhen Sie Ihren Kulturerfolg und haben mehr Freude mit Ihren Balkon und Terrassenpflanzen.

Mehr erfahren über Rainer Steidle!

Rainer Steidle ist ein erfahrener Gärtner und zählt zu den EM-Pionieren im Bereich des EM-Gartenbaus. Seit mehr als einem Jahrzehnt beschäftigt er sich intensiv mit der Wirkung der Effektiven Mikroorganismen im Gemüse und Zierpflanzenbau. Sein Herz schlägt für den regenerativen Gartenbau. Dabei ist es egal ob für den Hobbygarten oder im professionellem Gartenbau. Seine große Liebe zum Garten teilt er gerne in Seminaren, Workshops, Gesprächen oder Webinare mit Teilnehmern, die ebenso am naturnahen Gärtnern interessiert sind.

Sein Wissen hat Rainer Steidle in seinem Ratgeber für den EM-Garten für den Hobbygärtner zusammengetragen.
Hier erfährt man in leicht verständlicher Sprache, wie es funktioniert – das Gärtnern vom kleinen Samenkorn bis zum eigenen Gemüse und wohltuender Blütenpracht.

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