Bernhard Ganter von Alde Gott im Interview

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EM-Chiemgau arbeitet schon seit Jahrzehnten erfolgreich mit vielen Landwirten zusammen. So auch mit der Winzerfamilie Vierthaler aus dem Schwarzwald. Sie setzen EM für den Weinanbau ein und werden dabei nicht nur von uns, sondern auch von der Winzergenossenschaft Alde Gott unterstützt. Qualitätsberater Bernhard Ganter begleitet die Vierthalers und die anderen Winzer auf dem Weg zu einem nachhaltigen Weinanbau. Wir haben mit ihm zu diesem Weg und der Winzergenossenschaft gesprochen.

Was hat es mit der Winzergenossenschaft Alde Gott auf sich?

Die Alde Gott Winzer Schwarzwald eG ist ein Zusammenschluss aus Winzern und Winzerinnen rund um Sasbachwalden im Schwarzwald und ist 1948 gegründet worden. Aktuell sind 358 Winzer Teil der Genossenschaft, die insgesamt 264 Hektar bewirtschaften. Die Trauben werden in der Kellerwirtschaft verarbeitet und von Alde Gott vermarktet. Die gesamte Erntemenge der Winzer wird gemeinsam verarbeitet. Innerhalb der Winzergenossenschaft gibt es seit 2018 das Projekt „Weitblick“ zur Herstellung von Premiumprodukten. Hier haben sich weitere Winzer Familie Vierthaler angeschlossen und bewirtschaften nach EM-Kriterien.

Zudem ist an Alde Gott eine weitere Genossenschaft angeschlossen, die hochwertige Edelbrände aus heimischen Sorten herstellt.

Welche Rebsorten werden angebaut?

Den größten Anteil nimmt der blaue Spätburgunder ein – mit über 50 Prozent. Danach folgen Riesling, Müller-Thurgau, Grau- und Weißburgunder und weitere Spezialitäten.

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Wie kann man sich die Zusammenarbeit der Winzer vorstellen?

Die Winzer erwerben für die Rebflächen einen Geschäftsanteil in der Genossenschaft. Zudem verpflichten sie sich, die Bewirtschaftung nach Vorgaben von Alde Gott zu betreiben. Diese Kriterien sind wichtig, um die Qualität zu verbessern. Uns ist die Wertschöpfung feiner Traubenprodukte besonders wichtig. Daher ist zum einem eine gute Qualität entscheidend, zum anderen eine entsprechende Vermarktung, um uns im Wettbewerb positiv abzuheben.  

Welche Voraussetzungen sind nötig, um eine gute Lese zu erzielen?

Lage und Klima sind selbstverständlich die entscheidenden Faktoren für eine erfolgreiche Traubenlese und gute Weinqualität. Und nicht zu vergessen ist natürlich der „Steuermann“, also der Winzer, der eine naturnahe Produktion betreibt. In der Region sind es hauptsächlich die Granit- Gneisverwitterungsböden auf denen Weinbau betrieben wird. Dabei gibt es ein Ziel, welches wir alle verfolgen: gesunde und inhaltlich wertige Trauben zu produzieren. Denn nur so kann eine besondere Qualität erreicht werden. Außerdem kommt es auch auf die Lesetechnik an, die sich stetig weiterentwickelt.

Was ist das Besondere an den Weinen von Alde Gott?

Unsere Winzer produzieren nur eine von uns bestimmte Menge, die weit unter dem maximalen Mengen liegt, die möglich wären. So wollen wir die Qualität von Jahr zu Jahr aufrechterhalten und die Wertschöpfung der Winzer gewährleisten. Denn Weinanbau bedeutet Handarbeit, die auch geschätzt werden sollte. So benötigt man für die Bewirtschaftung von einem Hektar bis zu 500 Arbeitsstunden im Steillagen-Weinbau pro Jahr.

Neben der Weinherstellung ist auch die Vermarktung ein großer Bestandteil von Alde Gott. Uns ist es wichtig, die Verbraucher zu informieren und Hintergrundwissen weiterzugeben. Nur so können wir deutlich machen, dass die Weinherstellung wahre Handarbeit ist und entsprechen honoriert werden sollte. Zudem rückt natürlich das Thema Regionalität bei den Verbrauchern immer mehr in den Fokus. Wir sind also auf dem richtigen Weg.

Familie Vierthaler hat vor über 10 Jahren angefangen EM bei der Bewirtschaftung der Weinberge einzusetzen – wie haben Sie damals diese Art der Bewirtschaftung wahrgenommen?

Ich habe die Familie Vierthaler von Anfang an fachlich begleitet. Aus meiner Sicht ist diese Wirtschaftsweise ein absolutes Paradebeispiel für ein gelebtes Winzertum bzw. von Landwirtschaft. Für mich war es damals der erste Kontakt mit dem Thema EM. Heute wende ich es selber im Garten und Haushalt an und bin überzeugt. Es ist ein „Learning by Doing“ und man muss selber seine Schlüsse daraus ziehen.

Wie steht die Winzergenossenschaft heute zur Bewirtschaftung mit dem Einsatz von EM?

Mittlerweile haben sich viele Winzer angeschlossen und nutzen EM vollumfänglich. Die „Fangemeinde“ wächst stetig, aber es ist noch nicht in der breiten Maße angekommen. Wir stellen unseren Winzern frei, ob sie EM einsetzen oder nicht. Seit diesem Jahr arbeiten unsere EM-Winzer im Projekt „Weitblick“ zudem herbizidfrei und wir als Alde Gott stehen ihnen beratend zur Seite. Auffallend ist, dass sich wirklich jede Generation an Winzern für diese „neue“ Bewirtschaftung interessiert.

Was war der ausschlaggebende Punkt, dass der Wein der Vierthalers gesondert abgefüllt wurde?

Die gesonderte Abfüllung wurde von Familie Vierthaler angeregt, da sie bereits zahlreiche EM Produkte anboten, aber eben noch kein EM-Wein. Seit 2019 füllen wir diesen Wein daher gesondert ab und dieser wird als EM-Kostbarkeit geführt. Es ist toll, wie gut die Vermarktung dieses besonderen Weines läuft. Dadurch zeigt sich die Wertschöpfung von naturnahem Anbau in einer vorbildhaften Weise. Momentan läuft der Verkauf dieser Sonderabfüllung über Familie Vierthaler und über EM-Chiemgau. Doch Alde Gott bringt im Laufe des Jahres mehrere Weine mit ins Verkaufssortiment.  

Weinberge im Vergleich – grün und fruchtbar, gegenüber trocken

*Anmerkung von EM-Chiemgau: Vor allem im Trockenjahr 2018 stellte der Kellermeister eine deutliche Veränderung an den Weinbergen fest. So waren die Flächen der Winzer, die sich nach dem Vorbild der Vierthalers arbeiten, grün und in vollem Saft und andere hingegen vertrocknet. Bei diesem Vergleich zeigte sich deutlich der besondere Mineralienreichtum der Reben und eine andere Qualität des Weines.

Wie hat sich die Bewirtschaftung allgemein in den vergangenen Jahren verändert?

„Wir sind auf dem Weg“ ist unser Leitspruch, der den politischen und gesellschaftlich Ansprüchen für mehr Nachhaltigkeit Rechnung trägt. Die Förderung der Bodenfruchtbarkeit und des Humusaufbaus durch Einsatz von Pflanzenkohle und Gesteinsmehl steht hierbei im Fokus. Schließlich sollen auch die nachfolgenden Generationen noch erfolgreich wirtschaften können. Wir suchen daher immer wieder Alternativen wie EM. Fachvorträge von Familie Vierthaler oder Christoph Fischer sind hier sehr hilfreich. Zudem fördern wir die Biodiversität zum Beispiel durch die Blüheinsaat zwischen in den Reben. Man merkt deutlich, dass sich in den Köpfen der Winzer etwas tut und ein Umdenken einsetzt. Das ist toll anzusehen.

Vielen Dank an Herrn Ganter von Alde Gott für das Interview.

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